Energieeffizienz in der Dorferneuerung

Fast 75% der fossilen und regenerativen Energieträger werden im Landkreis Gießen für die Versorgung mit Wärme aufgewendet. 78% davon gehen in Privathaushalte. Besonders in den Altbauten der Dorfkerne lässt sich durch eine energetische Gebäudesanierung bis zu 60% an Heizenergie einsparen. Die Bioenergie-Region Mittelhessen entwickelte gemeinsam mit ihren Partnern ein Projekt, das Energieeinsparung, Energieeffizienz und Wärmeerzeugung auf Biomassebasis in das Programm der Dorferneuerung integriert. 

 

Ziele

Das Modellprojekt "Energieeffizienz in der Dorferneuerung" sollte zeigen, ob und wie Bürger für praktische Energieeffizienzstrategien sensibilisiert und aktiviert werden können. Den Hausbesitzern wurden dabei konkrete Einsparpotenziale und Möglichkeiten zur energetischen Gebäudesanierung aufgezeigt. Weitergehendes Ziel ist es, Energieeffizienz und Energieeinsparung als Ziel systematisch in der Dorferneuerung zu etablieren.

Projektablauf

Basis des Projekts bildete der systematische Einsatz des hessischen Energiepasses als Informations- und Aktivierunsgsinstrument für die Hausbesitzer in den beteiligten Dörfern. Er liefert wichtige Informationen zum energetischen Zustand eines Gebäudes.

 

Vogelsbergkreis

Im Vogelsbergkreis wurde zudem in Schadges und Stockhausen (Herbstein) die Wohngebäude per Foto dokumentiert und in verschiedene Baujahresklassen eingeteilt. Angaben zum umbauten Volumen und von außen ersichtlichen Sanierungsmaßnahmen ließen eine Einschätzung von Einsparmöglichkeiten zu (Gebäudetypologisierung).

 

Landkreis Gießen

Im Landkreis Gießen wurde der Ablauf durch eine intensive vorlaufende und begleitende Öffentlichkeitsarbeit ergänzt. Außerdem wurde ein großer Wert auf die Aktivierung und Qualifizierung der Energiescouts gelegt. Der Erstellung des Energiepasses wurde eine Grobanalyse in Form eines Energiechecks als niederschwelliges Zugangsangebot vorgeschaltet. Anhand der Ergebnisse wurde eine Beratung zu Energie-Einsparmaßnahmen durch die Stadtwerke Gießen AG (SWG) angeboten (www.energiessen.de).

 

 

Energiescouts - eine besonders wichtige Rolle im Projekt 

Die Energiescouts erfüllten im Rahmen des Projekts zwei wichtige Aufgaben: als Nachbarn aus dem Ort gelang es ihnen auf einer vertrauensvollen Basis, die Hausbesitzer zum Mitmachen zu bewegen. Ihre Schulung erfolgte durch ein Team, dem neben der Bioenergie-Region Mittelhessen auch die Energieberatung der Stadtwerke Gießen, das beteiligte Ingenieurbüro EWT sowie die Entwickler des Energiepasses (Ingenieurbüro Bially) angehörten.

 

Hessischer Energiepass

Die Hausbesitzer füllten mit Hilfe des Energiescouts einen Fragebogen zur Heizungssituation und zum Gebäudebestand aus. DIe Fragebögen wurden durch ein Ingenieurbüro ausgewertet. Ergebnis der Auswertung ist ein Energiepass für das jeweilige Gebäude. Er enthält verschiedene Informationen zum energetischen Zustand des Hauses sowie Sanierungsvorschläge mit ihren Amortisierungszeiten.

 

Beteiligung

Die Beteiligung der Hausbesitzer an den Fragebogenaktionen war besonders im Teilprojekt LK Gießen sehr gut: mehr als 50% der Hausbesitzer in Lindenstruht und ca. 30% in Odenhausen ließen sich für ihre Häuser Energiepässe ausstellen. In den Ortsteilen von Herbstein im Vogelsbergkreis wurde die bauliche Situation im Ort durch die Gebäudetypologie dargestellt.

 

Auswertung

Die Auswertung der Fragebögen im LK Gießen erbrachte zusammengefasst folgende Ergebnisse:

Durchschnittlicher spez. Energieverbrauch:
Lindenstruth: 232 kWh/m²/a oder 231 Tsd. Liter Öläquivalente
Odenhausen: 183 kWh/m²/a oder 183 Tsd. Liter Öläquivalente

Einsparpotenzial:
Lindenstuth: 57%'
Odenhausen: 52%

Energieeinsparung für Massnahmen (Verzinsung > 3%):
Lindenstruth: 858 Tsd. kWh/a oder 86 Tsd. Liter Öläquivalente
Odenhausen: 361 Tsd. kWh/a oder 36 Tsd. Liter Öläquivalente

Investitionen für energetische Sanierung (Verzinsung > 3%):
Lindenstruth: 1,3 Mio. €
Odenhausen: 293 Tsd. €

 

Projekt abgeschlossen - Vorschläge zum künftigen Vorgehen

Energieeffizienz als dauerhafte Strategie in der Dorferneuerung etablieren 

Aus den Ergebnissen der Modellprojekte Energieeffizienz in der Dorferneuerung im Vogelsbergkreis und im Landkreis Gießen schlagen wir für das weitere Vorgehen ein Konzept vor, das sowohl die Gebäudetypologie (Vogelsbergkreis) als auch die vorhandenen Beratungselemente für die Hauseigentümer (Landkreis Gießen) beinhaltet. Eine Informations- und Aktivierungskampagne begleitet und verbindet die Elemente.

 

1. Schritt: Sondierungsphase - von der Erkenntnis zur Entwicklungsinitative 

Systematische Anwendung der Gebäudetypologie. Dabei werden die Wohngebäude eines Gebietes per Sichtung in verschiedene Baujahresklassen eingeteilt. Von außen ersichtliche Sanierungsmaßnahmen und statistische Angaben zum umbauten Volumen, lassen eine Einschätzung von Einsparmöglichkeiten zu. Diese Analyse der Ist-Situation bietet den Kommunen einen Überblick über die energetische Gesamtsituation im Ort und zeigt deren Brennpunkte auf. So können dezentrale Wärmeversorgungskonzepte erstellt werden.

 

2. Schritt: Information und Aktivierung

In allen Dorferneuerungsdörfern findet eine begleitende Informationskampagne aus fensten Informationsmodulen statt, bestehend aus Info-Medien und Infoveranstaltungen. Ferner werden auf den spezifischen Bedarf angepasste Veranstaltungen angeboten, wie z. B. Sanierung im Bestand, "Wie werde ich Energieeffizienz-Dorf, Insel-Wärmeversorgung für mein Dorf.

Weiterhin wichtig ist die Qualifizierung und Etablierung von Energiescouts (Energiefüchse, siehe auch www.naturkraft-region.de/de/projekte/energiefuechse.html ) zur Unterstützung von Schritt drei sowie eine Systematisierung der regionalen/überregionalen Energieberatungsangebote.

 

3. Schritt: Individualiesierungsphase

Nun folgt die Umsetzung individueller Initiativen für mehr Energieeffizienz.
Hausbesitzer nutzen die vorhandenen regionalen und überregionalen Angebote wie Energiepass Hessen, Beratung durch die SWG oder OVAG, Gießener Gebäudepass, Verbraucherzentrale oder örtliche Energieberater.
Die Kommunen entwickeln Wärmekonzepte für Brennpunkte und aktivieren die Hausbesitzer. Wichtig hierbei ist die Verknüpfung mit den Beratungs- und Förderangeboten des Programms Dorferneuerung.

 

Die Projektpartner: 

Landkreis Gießen, Reiskrichen (Lindenstruth), Rabenau (Odenhausen), Landrat Lahn-Dill-Kreis, Abteilung für ländlichen Raum, Stadtwerke Gießen AG (SWG)
Vogelsbergkreis, Amt für ländlichen Raum und Daseinsvorsorge, Herbstein (Stockhausen, Schadges), Romrod (Strebendorf), Schotten (Eschenrod).
Bioenergie-Region Mittelhessen

News

Auf Initiative der Bioenergie-Region Mittelhessen gründen gerade insgesamt sieben mittelhessische LEADER-Regionen eine Kooperation. Ziel ist es, langfristig ein gemeinsames "Schnittgutmanagement" aufzubauen. Das bedeutet, dass die Regionen untereinander die Verwertung ihres Grünschnitts...

Das Dorf Kleinseelheim, im Landkreis Marburg-Biedenkopf, plant schon seit längerem, sich unabhängig bei der Wärmeversorgung zu machen. Die aktuell durchgeführte Machbarkeitsstudie zum Aufbau eines Wärmenetzes aus 100 % Erneuerbaren Energien zeigt bereits, wenn mindestens 98 Gebäude mitziehen, dann...

Strohgedämmte Außenwand: Bereits mit 10 mm Putz feuerbeständig (F90-B) Mit Strohballen lassen sich auf einfache Weise hochgedämmte, umweltfreundliche und langlebige Wände erstellen. Der Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. wurde 2002 gegründet, um diese besondere Bauweise zu fördern....