Bioenergiedorf Gontershausen startet entspannt in die zweite Heizperiode

Eine überaus positive Bilanz zogen die Bürgerinnen und Bürger in Gontershausen (Stadt Homberg/Ohm, Vogelsbergkreis) nach der ersten Heizperiode im Winter 2012/13. Es gab keine Störungen oder Ausfälle im genossenschaftlich betriebenen Nahwärmenetz, auch die Wärmetauscher in den Haushalten funktionierten einwandfrei. Behagliche Wärme herrscht auch wärend der zweiten Heizperiode wieder in allen angeschlossenen Haushalten und die Heizkosten fallen im Vergleich zu früher rund 10% geringer aus. 

Drei Komponenten umfasst das Nahwärmekonzept Gontershausen: die Biogasanlage der Familie Koch mit 240 kW elektrischer Leistung, zwei 150 Kilowatt-Holzpellet-Heizkessel und ein 4600 m langes Wärmeverteilungsnetz zu den 40 angeschlossenen Haushalten.

 

 

Nahwärmenetz überzeugt Hausbesitzer

 Die Anschlussquote von über 60% der Haushalte wird sich noch steigern, denn die Vorteile für die Hausbesitzer sind überzeugend: geringe Heizkosten und es wird kein Heizungskeller mehr benötigt, die Wärmetauscher sind klein und leise, auch die Kosten für die Wartung der Heizung und den Schornsteinfeger fallen weg. Da die Hocheffizienz-Pumpe sparsam und effizient arbeitet, konnten sich die Bürger bei der diesjährigen Stromabrechnung über eine Rückerstattung freuen. Der Immobilienwert alter Höfe, die an das Nahwärmenetz angeschlossen sind, steigt. Attraktiv ist das Nahwärme-Angebot besonders auch für junge Familien, die den Bau eines Hauses im Neubaugebiet von Gontershausen planen.


Ferner dient das Nahwärmenetz der regionalen Wertschöpfung und nicht zuletzt dem Klimaschutz, denn pro Jahr können durch die Substitution fossiler Brennstoffe etwa 87.500 l Heizöl oder 245.000 kg CO2 eingespart werden. So hat sich Gontershausen nach einem Jahr Betrieb  zu einem Vorzeige-Bioenergiedorf entwickelt. 

Der gemeinsame Weg zum Bioenergiedorf

Die Biogas Koch GbR betreibt seit 2009 zwischen Gontershausen und Haarhausen eine Biogasanlage. Der Strom, den der Generator mit dem Biogas erzeugt, wird ins Netz eingespeist. Für die Abwärme bestand zunächst kein schlüssiges Konzept. Das hat sich inzwischen geändert!


Im Januar 2012 gründeten 37 Bürgerinnen und Bürger die Nahwärmegenossenschaft Gontershausen mit dem Ziel, ihre Häuser unabhängig von den Ölpreisen des Weltmarkts zu beheizen. Jochen Köhler, Ortsvorsteher von Gonterhausen, wurde erster Vorsitzender der Genossenschaft und zugleich eines ihrer engagiertesten Mitglieder. Galt es doch sowohl ein technisches als auch ein finanzielles Konzept für das Projekt Nahwärmenetz zu entwickeln, was in planerischer Zusammenarbeit mit der Bioenergie-Region Mittelhessen und dem Ingenieurbüro EWT sowie der VR-Bank HessenLand eG als Finanzpartner gelang.


Im Juli 2012 war Baubeginn. Auf dem gepachteten Grundstück hinter der Biogasanlage wurde die Heizzentrale errichtet, bestehend aus zwei Fertiggaragen, in denen die zwei 150 Kilowatt Holzpellet-Heizkessel untergebracht sind. Daneben stehen der 20.500 l fassende Pufferspeicher, in dem das 80 °C warme Wasser auch bei Ausfall noch fünf Stunden lang die Haushalte mit Wärme versorgen kann, sowie das 14 t Holzpellets fassende Silo. Kräftig packten die Gontershausener mit an, ob beim Abladen der Rohre oder dem Schweißen der Tore für die Heizzentrale. Selbst beim Baggern und Verlegen des Wärmenetzes fanden sich aktive Mitglieder der Genossenschaft, die selbst Hand anlegten. So konnte auch der straffe Zeitplan eingehalten und das Nahwärmenetz mit Beginn der Heizperiode 2012/13 in Betrieb genommen werden. Es zeigte sich, dass die Abwärme der Biogasanlage bis zu Außentemperaturen von -1°C allein zur Wärmeversorgung ausreicht. Selbst bei -10°C, wenn die Pelletzuheizkessel zeitweise betrieben werden müssen, bleibt die Anlage noch deutlich unter der maximal möglichen Leistungsspitze. Das beruhigt alle.


Der Wärmeenergiebedarf von Gontershausen kann also vollständig über Biomasse abgedeckt werden.

Auch wirtschaftlich überzeugt das Bioenergiedorf

Rund 800.000 Euro hat das Nahwärmenetz gekostet. Die Hälfte wurde durch Fördergelder abgedeckt. Jedes Genossenschaftsmitglied bekam für die Einlage von 3000 Euro die Nahwärmeleitung bis ins Haus verlegt, wo dann ein Wärmetauscher installiert wurde. Die Kosten für Rohre und Heizkörper innerhalb des Hauses übernahm jeder Hausbesitzer selbst.


Die Wirtschaftlichkeit derartiger Projekte wird immer wieder hinterfragt. In Gontershausen zeigt sich, dass sowohl der anvisierte Baukostenrahmen als auch die Verbrauchskosten eingehalten worden sind. Der Wärmeanteil, den die Biogasanlage liefern konnte, war mit über 87,5 % sogar höher als erwartet. So mussten während der ersten Heizperiode über die zugekauften Holzpellets nur 12,5 % der Wärmeenergie abgedeckt werden statt der anberaumten 20 %.


Das Projekt „Bioenergiedorf“  funktioniert hier also bestens. Doch in Gontershausen hat auch einfach alles zusammengepasst, so fasst es der zweite Vorsitzende der Genossenschaft, Lothar Theiß, zusammen. Die ortsnahe Biogasanlage, der Landwirt, der nach einer effektiven Abwärmenutzung suchte und viele engagierte Bürger, die sich finanziell und inhaltlich beteiligen wollten, eben ein Vorzeigeprojekt. Die Mitglieder der Genossenschaft sehen deshalb ihre Aufgabe in Zukunft verstärkt darin, für solche Projekte zu werben und andere Interessierte zu beraten. Interessenten können sich unter Tel. 06421-393869 an Jochen Köhler, den Ortsvorsteher von Gontershausen wenden.
 

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