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Energie aus Gras


Bioenergie-Region-Mittelhessen                      29.06.2010
Anette Kurth, 06 41 96985-17
info(at)bioenergie-region-mittelhessen.de                                  
bioenergie-region-mittelhessen.de

PRESSEMITTEILUNG

Energie aus Gras – Exkursion zeigt Umwandlung von Biomasse in speicherbare Energie

Zu einer interessanten Exkursion hatte am 28. Juni 2010 die Bioenergie-Region Mittelhessen eingeladen, um interessierten Teilnehmer einige zukunftsweisende Leitprojekte aus der Region zu demonstrieren. Dazu gehören innovative Möglichkeiten der Energiegewinnung aus Biomasse, die Hydrothermale Carbonisierung, das Pilot-Projekt PROGRASS sowie die Integration der Energieeinsparung in die Dorfentwicklung.

Der Einladung gefolgt waren unter anderen rund 20 Vertreter aus den Bioenergie-Regionen Altmark, Thüringer Vogtland, Oberberg Rhein-Erft, der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe sowie der Justus-Liebig-Universität Gießen und Fachhochschule Gießen-Friedberg.

Auftakt der Veranstaltung bildete die  Begrüßung durch den FH-Vize-Präsidenten Prof. Dr. Axel Schuhmann-Luck und der Landrätin Anita Schneider in den Räumen der Fachhochschule. „Ich freue mich besonders, Sie hier zu einer Veranstaltung der Bioenergie-Region Mittelhessen zu begrüßen. Wir, als Vertreter der Kreispolitik, haben erkannt, dass der Ausbau erneuerbarer Energien eine wichtige Aufgabe zur Zukunftsgestaltung in unserer Region ist. Dazu ist eine professionelle Netzwerkarbeit eine wichtige Voraussetzung. Deshalb profitieren wir besonders von der Aktivität der Bioenergie-Region Mittelhessen.“

Es folgte ein spannender Vortrag von Dipl. Ing. Reinhold Altensen (FH Gießen-Friedberg) zum Thema Hydrothermale Carbonisierung.

Bei diesem Verfahren wird der in der Natur über viele Millionen Jahre ablaufende Vorgang der Biomasseumsetzung zur Braunkohle technisch innerhalb weniger Stunden nachgeahmt. Dieses Verfahren ermöglicht die hocheffiziente Herstellung von Naturkohle aus Biomasse unter Nutzung der entstehenden Abwärme. Fast alle biogenen Materialen und Abfallstoffe können carbonisiert werden: Baumrinde, Grasschnitt, Stroh und Heu, Abfälle aus der Forst- und Landwirtschaft, Baum- und Strauchschnitt,  biogene Industrieabfälle und vieles mehr.

„Im Wärmemarkt der Zukunft sehe ich heute schon einen Mangel an Biomasse. Die Hydrothermale Carbonisierung ist eine optimale Möglichkeit, nasse Biomasse in den Wärmemarkt zu bringen. Es handelt sich hierbei quasi um eine Substitution von Holz ohne Subventionen, “so Dipl. Ing. Altensen. Die von der HydroCarb GmbH betriebene Anlage wurde bei ihrer Entwicklung wissenschaftlich durch die FH Gießen-Friedberg begleitet. Sie ist jetzt eine der wenigen Anlagen, die nicht mehr in der Erprobungsphase sondern im Regelbetrieb funktioniert.

Nachfolgend berichteten Prof. Dr. Ernst Stadlbauer und  Dr. Bernd Weber (FH Gießen-Friedberg) über die Möglichkeiten des rohstofflichen Recyclings mittels Gestufter Carbonisierung via Nieder-Temperatur-Konvertierung (NTK). Bei diesem Verfahren werden zum Teil problematische biogene Reststoffe wie Rapspresskuchen, Klärschlamm, Tier- und Fleischknochenmehl, Getreideschlempe und Apfeltrester letztendlich zu einem Kohleprodukt, das „die industrielle Braunkohle ersetzen kann“, so Dr. Weber.

Nach dieser thematischen Einstimmung startete der Bus in Richtung Lauterbach/Vogelsberg. Unterwegs erzählten Mercedes Bindhardt vom GießenerLand e.V. Wissenswertes über die Region.

Anschließend referierte Lorenz Kock vom Amt für den ländlichen Raum Vogelsberg (ARL) über die vielfältigen Möglichkeiten der energieeffizienten Gebäudesanierung im Rahmen der Dorferneuerung. Hierbei wird durch eine kostenlose, fundierte Beratung die Energieeffizienz privater Haushalte voran getrieben und eine CO2-Bilanzierung der beteiligten Dörfer durchgeführt.

Mit einem stärkenden Mittagessen im idyllischen Lauterbacher Hof rüsteten sich die Teilnehmer für den zweiten Teil der Veranstaltung:

Die Vorstellung und Besichtigung des Forschungs- und Pilotprojekts PROGRASS, das von der Universität Kassel koordiniert und in drei europäischen Regionen in Deutschland, Wales und Estland durchgeführt wird. Lorenz Kock (ALR Vogelsberg) und Lutz Buehle (Universität Kassel) stellten diese neue und hocheffiziente Technik zur energetischen Verwertung von Biomasse vor.

Verwendet werden ausschließlich Rohstoffe von extensiv genutzten Grünflächen (beispielsweise Natura 2000), deren Biomasse auf Grund ihrer Eigenschaften (hoher Zellulose- und Ligningehalt, hoher Mineralstoffgehalt) weder für die gängige Hochleistungs-Milchviehwirtschaft noch für die Nutzung in konventionellen Biogas- oder Verbrennungsanlagen geeignet ist.

Die Universität Kassel hat in langjähriger Forschungsarbeit die so genannte IFBB-Technik (Integrierte Festbrennstoff- und Biogasproduktion aus Biomasse) entwickelt, die sich besonders für ältere Grünlandaufwüchse eignet. Mit der Inbetriebnahme der Demonstrationsanlage am 9. März in Lauterbach ist das Projekt in seine Praxisphase gestartet.

Das Prinzip: Biomasse wird in einem Silo erhitzt und nach dem Gärungsprozess in feste und flüssige Bestandteile getrennt. Der feste Presskuchen kann als Brennstoff, der flüssige Presssaft zur Biogas- und Stromerzeugung genutzt werden. Bis zu 70 Prozent der in der Masse enthaltenen Energie kann so effizient genutzt werden. Hierbei hat der Festbrennstoff bessere Brenneigenschaften als das Ausgangsprodukt Gras und auch die Biogasausbeute ist mit einem Methananteil von 60 % höher als bei herkömmlichen Biogasanlagen.

Über den energetischen Aspekt hinaus gewährleistet diese Art der Nutzung und Pflege des artenreichen Grünlands den Erhalt wertvoller Kulturlandschaft und steht – anders als der Anbau von Energiepflanzen – nicht in Konkurrenz zu der Nahrungsmittelproduktion.

Zielsetzung ist die Herstellung eines handelbaren Regelbrennstoffes aus Pflanzenschnitt der Grünlandpflege im Vogelsberg (Natura 2000 Flächen) und in Europa. „Sobald dieser Festbrennstoff als Regelbrennstoff verkauft werden kann, haben wir gewonnen“, so Lorenz Kock bei der gemeinsamen Besichtigung der Anlage.

Als nächstes wird die Pilotanlage in Estland eingesetzt und erprobt. PROGRASS trägt damit zur nachhaltigen Entwicklung von abgelegenen, wirtschaftlich benachteiligten Regionen bei.

Auf der Rückfahrt berichtete Peter Momper (Klimaschutzagentur KEM und Bioenergie-Region Mittelhessen) über weitere Projekte der Bioenergie-Region Mittelhessen. „Netzwerkkommune bezeichnet eine Aktion bei der in diesen Tagen ein Fragebogen an alle 36 Kommunen aus Vogelsbergkreis und Landkreis Gießen versendet worden sind. Sinn der Aktion ist die Ermittlung des kommunalen Biomassepotenzials sowie von Wärmesenken. Im nächsten Schritt sollen diese dann miteinander verbunden und so regionale Wertschöpfungsketten geschlossen werden. „Wir treffen auf ein großes Interesse, die Rücklaufquoten sind sehr gut“, resümierte Peter Momper. „Neben der tollen Technik brauchen wir auch die Zusammenarbeit mit den regionalen Akteuren, um fossile Energieträger in dem Maße zu ersetzen, wir es von der Politik vorgegeben ist,“ so Momper. „Und zum überregionalen Wissenstransfer tragen solche Veranstaltungen, wie diese Exkursion bei.“

 

 

BU1
Frank Hensgen von der Universität Kassel (Fachgebiet Grünlandwissenschaft und nachwachsende Rohstoffe) erklärt Mercedes Bindhardt (GießenLand) und Ulrich Gehrlein (Bioenergie-Region Mittelhessen, Institut für ländliche Strukturforschung)dass die langen Halme des Schnittgutes leicht die Transportschnecke umwickeln können. In einer größeren Anlage  tritt dieses Problem  nicht in diesem Maße auf.


BU2
Lorenz Kock (Amt für den ländlichen Raum Vogelsberg) erklärt den Besuchern aus anderen Bioenergie-Regionen die Funktion der mobilen „ProGrass“ Anlage. Mitte Juli wird sie mit Hilfe einer Zugmaschine zum Hafen nach Rostock gebracht und von dort aus nach Wales verschifft.

 

 

 


Kontakt: Bioenergie-Region Mittelhessen
c/o Klimaschutz- und Energieagentur Mittelhessen e.V.
Ludwig-Rinn-Str. 14-16
35452 Heuchelheim
Anette Kurth, 0641 96984-17, info(at)bioenergie-region-mittelhessen.de

 


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