Das Abschlussforum der Bioenergie-Region Mittelhessen in Heuchelheim

Stehen der Ausbau der Erneuerbaren Energien und damit die Energiewende vor dem Aus?

Auch wenn diese Frage von Peter Momper provokant an die knapp 100 Teilnehmer zu Beginn gestellt wurde, so stehen nach der Verabschiedung des neuen Gesetzes in 2014 zur Förderung Erneuerbaren Energien (EEG) neue Fragen im Raum: Hat diese Gesetzesnovellierung Einfluss auf die politisch beschlossene Energiewende in der Region und  wie soll es weitergehen, nach 6 Jahren erfolgreicher geförderter Umsetzung, mit der Bioenergie-Region Mittelhessen?

Nach dieser Eröffnungsfrage und den Grußworten von Dr. Manfred Ehlers, Erster Beigeordneter aus Heuchelheim und unserer Landrätin Anita Schneider, stellten sich drei Initiativen aus der Bioenergie-Region mit Ihren Projekten vor.

Den Anfang machte Dr. Manfred Felske-Zech (Leiter der Stabstelle Wirtschaftsförderung, Tourismus und Kreisentwicklung Landkreis Gießen), der den Blickwinkel auf die verschiedenen Aktivitäten in den Kommunen im Landkreis Gießen warf. Wichtig hierbei sei auch das gemeinsame Projekt „Regenerative Wärme für den Landkreis Gießen“ mit der Bioenergie-Region Mittelhessen. "Denn die meiste Energie fließe in die Beheizung von Wohngebäuden", so Felske-Zech. Ziel ist die Umsetzung von Maßnahmen, die dazu führen sollen, fossile Wärmeträger wie Heizöl und Gas durch regenerative Wärmeträger zu ersetzen. Jedoch stellte Felske-Zech allem voran, „Der beste Klimaschutz sind immer noch Maßnahmen zur Energieeffizienz und zur Energieeinsparung“.

Als praktischer Umsetzer stellte Bürgermeister Heiko Stock aus Lautertal ein Pilotprojekt aus dem Vogelsberg vor: Naturnahe Heckenpflege um Vielfalt und nachwachsende Energie zu erhalten. Dieses Projekt wurde gemeinsam mit der Stadt Ulrichstein, dem Vogelsbergkreis, dem Naturschutzgroßprojekt sowie dem Institut für ländliche Strukturforschung und der Bioenergie-Region Mittelhessen als Koordinationspartner umgesetzt. Als sehr wichtig erachtete Stock die Information der Bürger zu den geplanten Maßnahmen. Als besonderer Tag für alle Akteure und Besucher nannte er den „Heckentag“, an dem die Maßnahmen erläutert wurden und auch Schnittvorführungen stattfanden.

Für die Initiative „Bioenergiedorf Kleinseelheim“ sprach Prof. Dr. Rainer Waldhardt Ortsvorsteher von Kleinseelheim. Ein spannendes Projekt, dass auch durch die Bioenergie-Region Mittelhessen unterstützt wird. Hier soll die örtliche Wärmeversorgung über Nutzung regenerativer Wärmeträger umgestaltet werden. Durch eine Machbarkeitsstudie wurde geprüft, ob das Projekt Bioenergiedorf wirtschaftlich, ökologisch und sozial tragfähig umgesetzt werden kann. Der nächste Schritt stehe nun an, die Gründung einer Bioenergie-Genossenschaft.

Als hochrangiger Redner nahm Hans-Josef Fell (MdB 1998-2013, Autor des Entwurfs EEG 2000 und Präsident der Energy Watch Group) Stellung zur Anfang gestellten Frage „Steht der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland vor dem aus?“. Fell stellte in seiner kurzweiligen Präsentation klar, trotz starker Hemmnisse durch das neue EEG 2014 wird die Erneuerbare Energie die Energie der Zukunft sein. Deutschland geht einen Schritt zurück, andere Länder beispielsweise China oder Norwegen setzen viele Schritte nach vorne. Seit Anfang dieses Jahres hat beispielsweise Costa Rica eine Vorreiter-Rolle übernommen und sein Energiebedarf wird zu 99,4 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt. Das zeigt, dass die Stromversorgung eines ganzen Landes ausschließlich durch erneuerbare Energien möglich ist. Sehr interessant stellte er die Doppelfalle dar, in der seiner Meinung nach die Fossilen Energieträger wie Gas und Öl stecken würden. Sinken weiterhin die Preise, so verlieren Investoren das Interesse, steigen jedoch die Preise der fossilen Energieträger, so wirke sich dies wieder positiv auf die Umsetzung Erneuerbarer Energien aus.

Zum Abschluss setzt Peter Momper ein Resümee: „Es stimmt traurig am Ende des Modellprojektes angelangt zu sein, erfüllt aber gleichzeitig alle, die an dem Projekt aktiv mitgewirkt haben, angesichts dessen, was wir in den 6 Jahren erreicht haben, mit Stolz.“

„Rückblickend möchte ich sagen, das Projekt Bioenergie-Region Mittelhessen (BERM) hat in den vergangenen 6 Jahren mit strategischer Kommunikation erfolgreich zur direkten Unterstützung regionaler Akteure beigetragen und – das zeigen die daraus entstandenen praktischen Initiativen – wirkungsvolle Beiträge zur regionalen Energiewende geleistet.“  Die Nutzung von Restbiomasse und Erzeugung klimaneutraler Bioenergie ist ein wichtiger und zentraler Baustein der regionalen Energiewende. Zudem lohne es sich, so Momper. Das zeigen auch erste Ergebnisse der Modellstudie des Instituts für Ökologische Wirtschaftsförderung (IÖW) in Berlin. Das Institut errechnete für die Bioenergie-Region Mittelhessen durch die Nutzung von Biomasse eine direkte und indirekte Wertschöpfung von ca. 8,5 Mio. EUR in 2012. Dies hat ebenfalls  zur Entwicklung von mehr als 130 Arbeitsplätzen beigetragen. Einen ausführlichen Bericht zu dieser Studie wird es im Oktober geben.

Eines wurde in der Veranstaltung wieder deutlich: Klimaschutz ist eine Daueraufgabe und braucht das funktionierende Zusammenspiel zwischen Politik und Bürgern. Der Prozess der Energiewende wird  in der Region von einer Vielzahl an Initiativen im privaten, kommunalen und unternehmerischen Bereich getragen. Ohne die ginge es gar nicht!

Momper dankt allen Kooperationspartnern und insbesondere allen Partnern, die die BERM in den vergangenen Jahren fachlich und organisatorisch unterstützt haben. Eine Frage bleibt jetzt noch offen: Wie kann diese erfolgreiche Arbeit in der Region strukturell fortgesetzt und verstetigt werden?

Die Bioenergie-Region Mittelhessen hat dazu verschiedene Initiativen gestartet, z. B. den Aufbau einer längerfristigen Kooperation mit 7 mittelhessischen LEADER-Regionen aber auch weiterführende Projekte zur regenerativen Wärmeversorgung von Kommunen. Rabenau wird hier ein erster Partner sein.

Einige Impressionen

Landrätin Anita Schneider (Landkreis Gießen) spricht ein Grußwort und wird vom Moderator des Abends, Klaus Pradella (HR-Studio Gießen), interviewt.

Dr. Manfred Felske-Zech erläutert das Projekt "Regenerative Wärme für den Landkreis Gießen" und verschiedene Aktivitäten in den Kommunen im Landkreis Gießen.

Bürgermeister Heiko Stock (Gemeinde Lautertal, Vogelsbergkreis) spricht über das Pilotprojekt des Heckenmanagements.

Prof. Dr. Rainer Waldhardt erzählt über das Bioenergiedorf Kleinseelheim.

Hans-Josef Fell nahm Stellung zu der am Anfang gestellten Frage "Steht der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland vor dem aus?".

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